Sonntag, 19. März 2017

Schöne neue Modelwelt



Die gute Nachricht: Es ging tatsächlich hauptsächlich ums Modeln. Die schlechte Nachricht: Auch das machte die aktuelle Staffel nicht unbedingt besser.

Die Kunst zelten zu gehen

Die Folge startete schon einmal mit einem Schock für die Mädels: Statt sich in einem Luxushotel verwöhnen zu lassen, mussten die armen Dinger doch tatsächlich campen gehen. So richtig mit Zelt und Luftmatratze. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, denn eigentlich war man mit ihnen ja extra nach Las Vegas gefahren. Wer hätte auch damit gerechnet, dass es nicht in die Casinos geht, sondern in die Wüste?

Auch wenn ich die mangelnde Begeisterung nachvollziehen kann (ich hasse zelten), finde ich die Reaktion der Damen einfach nur überzogen und verwöhnt. „Wenn ich Model bin, dann wohne ich in teuren Hotels und habe Kohle ohne Ende!“, mault Lynn und zieht dabei eine Schnute, als hätte man sie gezwungen in einem mit Kuhscheisse gefüllten Fass zu übernachten. Woher Lynn ihre Vorstellungen hat, bleibt mir ein Rätsel. Freischaffende Menschen haben nur in höchst seltenen Fällen so viel Geld auf der hohen Kante,  dass sie sich mal locker das Hilton leisten können.

Trotz dieses Widerwillens stellen sich die Luxuszicken beim Aufstellen der Zelte gar nicht so blöd an. Die peinlichste Performance liefert Juror Michael ab, der erst mit der Luftmatratze kämpft und dann mit seinem Schnarchen das ganze Camp wachhält. Wenigstens wirkt er so zumindest für ein paar Minuten sympathisch, die restliche Zeit wünscht man sich nämlich als Zuschauer nur eines: Dass Michalsky endlich mal  seine Klappe hält.

Paris, Paris, Paris

Auch Carina hat bekanntlich Mühe damit, einfach mal ihr süsses Plappermäulchen zu halten. Sie wird es einfach nicht müde allen ihre Talente und ihr Luxusleben unter die Nase zu reiben. Wie es der Zufall will, wird Carina zusammen mit Greta und Giuliana auf ein Casting in Paris eingeladen. Paris ist Carinas Wohnort und so erklärt sie ihren genervt aussehenden Mitreisenden auch gleich, wo man am besten shoppen gehen kann. Das interessiert natürlich alle brennend.

In Paris angekommen haben die drei allerdings gar keine Zeit shoppen zu gehen (wieso wird in dieser Sendung eigentlich immer suggeriert, dass alle Models immer unbedingt shoppen wollen? Die haben sicher noch andere Hobbys. Hoff ich.). Sie müssen nämlich gleich zu einem Casting bei Kaviar Gauche. Da geht es nicht etwa um verschiedene Kaviarsorten sondern um Brautkleider. Als Zuschauer wird man da fast ein bisschen neidisch. Teure Brautkleider anziehen und dafür noch bezahlt werden? Ein Traum!

Dass die Models dieses Jahr jedoch zu verwöhnt sind um solche Dinge zu schätzen zu wissen, beweisen Greta und Giuliana erneut auf eindrückliche Weise. Als Carina einen Freund anruft, damit er sie zum Casting fährt, erntet sie dafür wenig Dank. Grund: Der Bekannte taucht nicht etwa in einer Luxuskarosse auf, die dem hohen gesellschaftlichen Stand der Jungmodels entspricht, sondern in einem schlichten Mini – Auto. Ein Skandal!

Erneut kommt man nicht umhin, sich über die Damen zu wundern. Ich weiss nicht wie oft ich mich schon in winzige Autos gequetscht habe, aber offenbar werden viele Gleichaltrige sonst standardmässig in Limousinen rumkutschiert. Irgendwas mache ich wohl falsch.

Immerhin schafft es der Freund problemlos seine kostbare Fracht pünktlich beim Casting abzuliefern. Das Casting verläuft dann sehr eintönig. Die Models werden in Brautkleider gesteckt und müssen ein wenig posen. Carina zeigt sich überraschend zurückhaltend. Giuliana bringt es gar nicht auf die Reihe. Sie ist nervös, fummelt in ihren Haaren und sieht aus, als wäre sie gerade in eine Arena mit hungrigen Löwen geschickt worden. So ist es schlussendlich die hübsche Greta, die den Job einsacken kann.

Offensichtlich stören die Kunden sich weder an ihrem mageren Körper noch an ihren Falten um den Mund, die Heidi so negativ aufgefallen sind.

Quietschende Bremsen und kreischende Models

Unterdessen haben sich unsere Wüstenmäuse mit der Situation angefreundet. Über dem nächtlichen Lagerfeuer werden Marshmallows geröstet und ob es nun daran liegt, dass sie mal was Süsses essen dürfen oder an der romantischen Stimmung, auf jeden Fall ziehen die Katzen mal ihre Krallen ein und geniessen die gemeinsame Zeit. So schön kann das Modelleben sein!

Damit die Stimmung aber auch ja nicht zu kuschelig friedlich wird, müssen die Teams schon am nächsten Morgen wieder gegeneinander antreten. Den Gewinner winkt ein Luxushotel, den Verlierern ein Motel. Da lob ich mir die Zeiten als es bei solchen Aufgaben noch Schmuck oder teure Massagen zu gewinnen gab. Die ständige Ungleichbehandlung der Teams ist einfach nur nervig und dient schlussendlich ja nur dazu, den Wettkampf anzuheizen. Dennoch kreischen die Models ganz brav, als wäre die Übernachtung in einem edlen Hotel die Erfüllung ihres allergrössten Herzenswunschs.

Überraschenderweise muss nun jeweils eine Kandidatin aus Team Thomas gegen eine Kandidatin aus Team Michael antreten. Sie müssen eine starke Pose einnehmen und gelassen in die Kamera schauen, während hinter ihnen ein Auto in aufgeschichtete Würfel fährt. Stylen müssen sie sich dieses Mal selber. Bewertet wird auch das Modebewusstsein.

Die Duelle sind  nicht sonderlich spannend, die Bewertungen grösstenteils nichtssagend. Zu erwähnen sei hier der Kampf zwischen der eher stillen Maja und der offensiven Brenda. Letztere trägt ein aufreizendes rotes Kleid, das mehr enthüllt als bedeckt und bei dessen Anblick ihrem Juror Michael die Kinnlade herunterfällt. Beide sind schon siegessicher, doch der Punkt geht überraschenderweise an die wesentlich schlichter gekleidete Maja. Der Fotograf ist der Meinung, dass sexy sein, nichts mit Stilsicherheit zu tun habe. So schadenfreudig hat man Thomas Hayo selten gesehen.

Allerdings ist es wieder Team Michael, das den Sieg einstreicht. Schade.

Welcome to Burlesque!

Für das Fotoshooting dürfen die Models dann in wunderschöne Tänzerinnenkostüme schlüpfen und mit dem Po wedeln. Ich bin ja ein grosser Fan von diesem Burlesque – Thema, dennoch finde ich es ermüdend, dass es schon wieder hauptsächlich darum geht, sich vor der Kamera möglichst sexy zu geben.

Erwartungsgemäss ist Brenda bei diesem Shooting sehr stark, aber auch Soraya (die immer gute Leistung bringt, allerdings so gut wie nie gezeigt wird) und Anh fühlen sich in ihrem Element. Julia hat Startschwierigkeiten, sobald Heidi Selena Gomez abspielt, klappt der Hüftschwung auch bei ihr. Kritisch beurteilt wird Céline, die zu langweilig und farblos sei.

Spannend ist, dass genau die Kandidatinnen, die von Heidi oft als hübsch aber langweilig abgestempelt werden, schlussendlich bei den Castings abräumen. Natürlich ist es schön, wenn eine Frau tanzen oder sich verbiegen kann, allerdings wird das von den Kunden dann doch wenig gefordert. Und auch Modeschöpfer arbeiten lieber mit freundlichen, zurückhaltenden Frauen als mit durchgeknallten Diven und mögend die auch noch so viel „Persönlichkeit“ haben. Auch eine Naomi Campbell konnte sich am Anfang ihrer Karriere noch keine Ausraster leisten.  

Ein erneuter Totalausfall ist Giuliana. Die sympathische Kandidatin ist völlig verunsichert, weiss nicht wohin mit ihren Händen und wirkt völlig konfus. Vielleicht hat Heidis schrille Stimme sie in einen Zustand ewiger Verwirrung gestürzt.

Aber Giuliana hat Glück. Auch Neele stellt sich nicht sonderlich geschickt an, grinst schief in die Kamera, macht Kuhaugen und stakst herum wie der Storch im Salat. Danach führt sie tiefschürfende Gespräche mit Heidi Klum, die sich mit einem neckischen Grinsen laut fragt, was wohl in den Köpfen der Mädchen so  vor sich gehe, antwortet Neele lapidar: „Nichts.“
Nun, das erklärt einiges.

Ich zicke, du zickst, wir zicken

Neele ist auch erneut Protagonistin in dem obligatorischen Zickenkrieg der jede Woche stattfinden muss. Diesmal sind es Neele und Sabine, die sich in den Haaren liegen. Letztere ärgert sich noch immer darüber, dass Neele sie bei der letzten Entscheidung angefahren hat. Darunter leidet Sabine noch immer. Nicht so sehr, weil Neele gemein zu ihr gewesen ist, sondern weil sie Angst hat, die Zuschauer könnten nicht merken, wie falsch Neele sei.

Der Streit spitzt sich zu, Sabine kann sich nicht auf ihr Shooting konzentrieren, bricht in Tränen aus und schüttet schliesslich der verständnisvollen Mama Heidi ihr kleines Herzchen aus. Das findet Neele wiederum gar nicht cool, wie sie mit leidender Miene am Telefon ihrem Freund klagt. „Ich habe hier nie was Böses über jemanden gesagt“, verteidigt sie sich. Da hat Neele allerdings eine eigenartige Sicht auf ihre Äusserungen. Ich erinnere da nur an ihre abschätzige Bemerkung über Carinas Körperbau in der letzten Folge.

Sabine hat jedoch ebenfalls eine verzerrte Sicht auf sich selbst. Sie beschreibt sich in jedem Interview als Sonnenschein. Bis jetzt haben wir sie hauptsächlich weinend erlebt. Da versperrt wohl eine dicke Regenwolke die Sicht auf den Sonnenschein.

Schlussendlich gipfelt das Gespräch in einem albernen Streitgespräch darüber, wer jetzt die grössere Zicke ist. Da lob ich mir wieder solche Frauen wie Carina, Leticia oder Lynn. Die fahren wenigstens offen die Krallen aus, ohne vor uns das brave Kätzchen zu spielen.

The Eye of the Tiger

Trotz des Streits ist für Heidi die Stimmung noch immer zu wenig kämpferisch und so müssen ihre Mädchen den Abschlusswalk in einem Wrestling – Ring absolvieren. Und zwar während die Wrestler sich gegenseitig vermöbeln. Die Kleider sind furchtbar, dafür haben sie schöne Flechtfrisuren. Und sind erstaunlich souverän in Anbetracht der Tatsache, das um sie herum gerade schwitzende Leiber zu Boden geworfen werden.

Lynn jedoch hat die Frechheit ihren Bizeps in gespielten Boxerposen zur Schau zu stellen. Das geht natürlich gar nicht, handelt es sich doch um einen sogenannten „High Fashion Walk“ bei dem nicht rumgeblödelt werden darf. „Hast du solche Posen schon jemals bei einer Fashion – Show gesehen?“, rügt Heidi Klum die hübsche Rothaarige. Es sei an dieser Stelle die Frage erlaubt, ob man schon je eine Fashion – Show inmitten von Wrestlern abgehalten hat.

Trotz dieses gravierenden Fehlers darf Lynn in die nächste Runde einziehen. Genau wie Giuliana. Für Neele dagegen ist Schluss. Ein Abgang, der abzusehen war. Grosse Klappe, wenig Leistung, ziemlich von sich überzeugt. Für Greta, Neeles beste Freundin dagegen bricht eine Welt zusammen.

Schöne neue Modelwelt sage ich da nur!

Dienstag, 14. März 2017

Das Drama bekommt eine neue Dimension




Nachdem völlig hysterischen Umstyling der letzten Woche könnte man meinen GNTM würde endlich in ruhigere Gewässer kommen. Doch nichts da! Denn der grösste Teil der jungen Damen erleidet einen akuten Rückfall in die Kindergartenzeit…zumindest lässt ihr Verhalten darauf schliessen.

Romeo und Julia

Die Folge beginnt genauso wie die andere aufgehört hat: Mit vielen Tränen. Dieses Mal ist es Greta die mit den Falten um den Mund, inzwischen auch bekannt als die Jackenexpertin), die von einem Heulkrampf geschüttelt wird. Grund: Sie ist inzwischen schon so lange von ihrem Freund getrennt und der Kummer darüber, nicht in seiner Nähe zu sein, überwältigt sie mit jäher Macht. Es sei so schlimm, dass sie überlege auszusteigen, schluchzt sie in die Kamera.

Die Drohung würde wahrscheinlich einschlagen, wenn sie in dieser Staffel nicht schon mindestens zwanzigmal gefallen wäre. Und mal ehrlich: Was stellt sich Greta eigentlich vor? Sollte sie tatsächlich den Durchbruch als Model schaffen, wird sie ständig unterwegs sein und dabei kaum ständig ihren Freund mitschleppen können. Das muss ihr doch klar gewesen sein, als sie sich für diesen Beruf entschied. Dennoch vergiesst Greta so bittere Tränen über die Trennung von ihrem Freund, als wäre sie Julia, die über den toten Leib ihres Romeos weint.

Glücklicherweise entscheidet sie sich aber dagegen sich einen Dolch ins Herz zu rammen und ist schon am nächsten Tag beim grossen Shooting wieder putzmunter. Der Schmerz ist überwunden, Greta will sich jetzt ganz auf ihre Arbeit konzentrieren.

Lass uns im Sandkasten spielen

Die Arbeit der Models besteht in dieser Episode darin sich von einem Ventilator massenhaft Sand ins Gesicht blasen zu lassen. Fotograf ist Kristian Schuller, der für seine aufwendigen Inszenierungen bekannt ist. Dieses Mal fand ich es allerdings nicht so dolle. Die Models waren nun einmal vor allem eins: Dreckig. Und sexy. Es wäre schön, die Damen auch mal anders zu sehen als aufreizend.

Die Kostüme sind allerdings wirklich klasse. Nur Lynn ist anderer Meinung. Sie findet, sie sei zu sehr angezogen. Da verschlägt es selbst mir als eingefleischte Topmodel Guckerin die Sprache. Die Beschwerde hatten wir jetzt echt noch nie. Stehen junge Frauen denn wirklich so drauf halbnackt durchs Fernsehen zu rennen? Wie dem auch sei, Lynns Wunsch wird erfüllt, ihr Outfit wird gekürzt. Angeblich hat die Kostümbildnerin das entschieden. Vielleicht ging ihr Lynns Gejammer aber auch nur so auf die Nerven, dass sie sich für den leichteren Weg entschied. 

Sabine hat keine Probleme mit ihrem Kleid dafür mit der Tatsache, dass kübelweise Sand über ihrem Kopf ausgeschüttet wird. Als wäre das nicht schon unangenehm genug, kreischt ihr Heidi Klum auch noch ständig zu, sie solle die Augen offen halten, was ihr verständlicherweise schwerfällt. Und um sie noch ein bisschen mehr piesacken betont Heidi ständig, wie toll Sabines Shootingpartnerin Brenda ihre Sache doch machen würde. „Mit Hut hätte ich das auch gekonnt“, kommentiert Sabine bissig. Was der Hut damit zu tun hat, bleibt wohl ihr Geheimnis.

Auch Melina hat grosse Mühe mit dem Shooting und man ahnt es bereits: Für die sympathische Kandidatin könnte es knapp werden.



Box dich aufs Cover

Zum ersten Mal dürfen die Mädels auf ein Castings. Allerdings nicht alle: Nur vier gehören zum Kreis der Auserwählten: Céline, Serlina, Carina und Maja dürfen um das begehrte Shape – Cover kämpfen.

Carina unterdessen übt sich weiter darin, in Fettnäpfchen zu treten. Unverändert selbstbewusst erklärt sie, gut hörbar für all ihre Konkurrentinnen, dass sie sich bei der Gruppenchoreografie zurücknehmen müsse, da sie ja nicht oben hinausschiessen dürfe. Das bringt vor allem die mürrische Leticia auf die Palme. Aber auch Neele scheint von Carina nicht besonders angetan zu sein. „Ich dachte, es geht um den Körper“, meint sie abschätzig, als Thomas Carinas Teilnahme am Casting verkündet. Da sage noch einer, Männer würden Frauen in die Magersucht treiben. Frauen schaffen das auch ganz alleine.

Spannend: Weder Leticia noch Neele sind bescheidene Menschen. Was sie an Carina aussetzen, machen sie ja auch selbst. Leticia zum Beispiel lästert über die anderen Mitglieder in ihrem Team, weil diese zu brav seien und aus völlig unerfindlichen Gründen verlangen, dass sie ihr benutztes Geschirr abspült. Wenn zwei dasselbe tun ist es eben nicht das Gleiche.

Beim Casting müssen die vier Auserwählten Sport treiben. Und ein Boxtraining absolvieren. Schlussendlich ist es nicht die überehrgeizige Carina, die gewinnt, sondern die süsse Céline. Schlussendlich arbeiten die Fotografen eben auch lieber mit sympathischen Frauen.

Irgendwo in einer Wüste

Durch die ganze Episode ziehen sich Streitereien. Mal geht es darum, dass Anh, Romina und Melina lieber für sich proben als mit den anderen. Dann geht es darum, wer die Choreographie  besser drauf hat. Dann um die Ordnung im Haus. Irgendwas finden sie immer zum Streiten.    

Der abstruseste Streit findet schliesslich beim finalen Walk statt. Natürlich können die Models nicht auf einen normalen Laufsteg gehen, wie es sich für eine ordentliche Modeshow gehört. Nein, die Mädels müssen mit mörderisch hohen Haken über den steinigen Boden eines Autofriedhofs staken. Logisch, dass da einige arg ins Wanken kommen. Sabine beschwert sich darüber, dass ihr Weg der Steinigste sei, worauf Neele sie anfährt, sie habe genau gleich viele Steine auf ihrer Bahn. Eine philosophische Diskussion, die allerdings nur ein paar Sekunden später von Team Michael überboten wird. Dort geraten sich die Kandidatinnen wegen der Reihenfolge der Läuferinnen in die Haare.

Es fragt sich nur, wieso keines der Models auf die Idee kommt, sich mit der Jury anzulegen. Dieselben Frauen, die fast einen Anfall bekommen, wenn ihnen ihr Kleid nicht gefällt oder sie einen neuen Haarschnitt bekommen, akzeptieren es einfach, wenn sie sich wegen einer bescheuerten Aufgabe fast die Haxen brechen.

Ein paar Stöckelschuhe müssen daran glauben, die Models bleiben glücklicherweise alle ganz. Nur muss halt jede Woche eine gehen. Dieses Mal trifft es Melina. Von der Leistung her hat es schon seine Berechtigung. Charakterlich hätte es andere sicher eher treffen sollen.

Nur beurteilt das eine Heidi Klum eben nicht.

Samstag, 11. März 2017

Der Sinn von Weiblichkeit



Ich bin der Ansicht, es macht schon einen Unterschied ob man als Frau oder als Mann geboren ist. Und ich glaube auch, dass das Geschlecht Einfluss auf den Charakter hat. Ich kann das nicht wissenschaftlich belegen, aber ich glaube, wenn es vollkommen egal wäre, ob wir nun Männlein oder Weiblein sind, dann wären manche Menschen nicht so todunglücklich, im falschen Körper geboren zu sein.

Ich kämpfe immer wieder mit manchen feministischen Tendenzen. Ich kann zum Beispiel nur begrenzt nachvollziehen, wenn man sich darüber aufregt, dass Frauendeo Rosenduft beinhaltet. So von wegen, die Hersteller würde uns dadurch aufzwingen, wie wir zu riechen hätten. Ich meine, ganz ehrlich, wenn ich keine Lust habe nach Blumen zu duften, dann kauf ich mir eben ein Männerdeo. Oder wälze mich im Motorenöl. Oder tauche in einen See aus Bier. Ich kann auch nicht verstehen, wieso sich Eltern darüber ereifern, wenn in einem Spielzeugladen die Waren nach Jungs und Mädels aufgeteilt sind. Es ist ja nicht so, als würde das Kind Feuer fangen, wenn es sich dann in der Abteilung des anderen Geschlechts umsieht. Als ich klein war habe ich unter der Woche mit meinem Bruder Barbie gespielt  und am Wochenende sind wir beide mit dem Pfeilbogen durch die Gegend getobt. Das war einfach ganz natürlich und unverkrampft, trotz der bösen Konsumwelt die uns geschlechterstereotypische Klischees aufdrückte.

Ich glaube, dass Problem, mit dem wir Frauen kämpfen ist nicht in erster Linie, dass wir nicht wie Männer sein dürfen, ich glaube, dass Problem ist, dass wir glauben, wir müssten unsere Weiblichkeit unterdrücken um Erfolg zu haben. Das spiegelt sich schon in der Kleidung wider. All die Politikerinnen in ihren grauen oder schwarzen Kostümen, die sie aussehen lassen, als hätten sie den Anzug ihres Vaters geklaut. Wenn sie es so tragen, weil es ihnen so gefällt: Kein Problem. Manchmal habe ich jedoch  das Gefühl, es geht ihnen mehr darum, ihren Körper zu verstecken als ihren persönlichen Stil auszuleben.

(Allerdings finde ich sowieso, dass es in der Politik viel zu starre Kleidungsvorschriften gibt. Mich deprimiert der Anblick von Männern in Anzügen. Ich hätte viel lieber, wenn Politiker ärmellose Shirts anziehen würden. Ich wette, dann würden sich auch mehr Menschen die Arena ansehen. Das ist wie beim Fussball. Es ist im Prinzip langweilig aber zumindest kann man ein paar Schnitten in engen Trikots anhimmeln.)

Wieso wird Frauen eigentlich immer eingeredet, der weibliche Körper sei etwas, für das man sich schämen muss? Gerade in Führungspositionen wird so getan, als sei die Schönheit einer Frau ein Werkzeug des Teufels. Nur mal so zum Mitschreiben: Ein kurzer Rock bedeutet nicht automatisch mangelnde Kompetenz. Es bedeutet auch nicht, dass die Frau sich hochgeschlafen hat. Es bedeutet einfach, dass die Frau sich in dem Rock wohlfühlt. Und dass es ihr vielleicht gefällt, wenn ihre Beine bewundert werden.

Ach ja und ich finde es auch legitim, wenn Frauen ihr Äusseres einsetzen um zu bekommen, was sie wollen. Nicht sehr feministisch, ich weiss. Und doch: Wenn Männer so doof sind und ihren Hormonen die Regierung überlassen, ist das schliesslich nicht unser Problem.

Natürlich ist es scheisse, auf sein Aussehen reduziert zu werden. Allerdings hat das nichts mit männlich oder weiblich zu tun. Wir müssen uns wohl oder übel damit abfinden, dass wir von den meisten Menschen nie in unserer ganzen Individualität erfassen werden. Ich bin Frau, Buchhändlerin und SP – Mitglied. Alles davon ist klischeebelastet, die Nuancen, die mich als Person ausmachen, werden von vielen nie bemerkt werden. Nur darf man sich nicht so sehr davon abhängig machen, was andere von einem denken.

Eine andere Frage, die ich mir oft stelle: Wieso wird ein Karriereunterbruch, der aufgrund von Schwangerschaft und nachfolgender Kindererziehung erfolgt, in der Geschäftswelt so negativ beurteilt? Klar, sie hat ein paar Jahre nicht in einem anerkannten Beruf gearbeitet. Aber Kindererziehung ist schliesslich auch kein Zuckerschlecken, sondern erfordert Geduld, Ausdauer und grosse Flexibilität. Es ist sogar ein 24 – Stunden – Job. Es gibt keinen Feierabend, keine Ferien und keine bezahlten Überstunden. Und quasi nebenbei schmeisst die Frau noch den Haushalt, was ein riesiges Organisationstalent erfordert. Mal ganz abgesehen davon, dass eine Frau, die ein Kind geboren hat, über eine wahnsinnig gute körperliche Konstitution verfügen muss. Ich meine, sie hat ein Baby neun Monate rumgeschleppt und dann aus sich rausgepresst. Wenn das mal nicht beeindruckend ist, weiss ich auch nicht

Das alles wird einfach weggewischt. Weil Hausarbeit immer noch gleichgesetzt wird mit „gemütlich – im – Haus -  rumhocken“. Auch ansonsten werden weibliche Eigenschaften grundsätzlich eher negativ beurteilt. Es wird immer wieder betont, dass eine Frau keine gute Führungsperson sein kann, weil sie zu emotional sei und deshalb nicht in der Lage sei sachliche Entscheide zu treffen.

Emotionalität ist allerdings nicht zwangsläufig eine Schwäche, sie ist oft eine riesige Stärke. Eine Frau spürt früher, wenn Konflikte im Team auftauchen und kann schneller reagieren. Sie hat oft einen schärferen Blick für zwischenmenschliche Beziehungen, weshalb sie auch persönliche Unstimmigkeiten schneller bemerken. Männer dagegen haben die unvergleichliche Begabung Konflikte erst dann wahrzunehmen, wenn vor ihrer Nase bereits eine Schlägerei ausgesprochen ist.

Wo Männer drohen müssen, können Frauen ihre Anliegen auf charmante Art und Weise durchbringen. Wer sagt denn, dass es in der Geschäftswelt immer knallhart zugehen muss? Wer sagt, dass eine Frau doppelt so taff sein muss, um erfolgreich zu sein? Wieso es nicht  auf sanftere Art und Weise versuchen? Weil das schwach ist? Oder weil es sich nicht gehört, dass eine Frau ihre eigenen Stärke einsetzt statt einfach nachzuahmen was die Männer schon seit Jahren vormachen?

Ich halte die Frauenthematik ohnehin für weit komplizierter als es oft angenommen wird. Weil es da leider kein gut oder böse gibt. Denn egal wie sehr die Feministinnen darauf pochen, nur sie wüssten, was die Frauen brauchen: Auch sie können es nicht wissen. Denn da kommt eben die oben erwähnte Individualität wieder ins Spiel. Niemand kann für alle Frauen sprechen. So ärgere ich mich zum Beispiel immer wieder, wenn ich Zeitungsartikel lese, in denen mir erklärt wird, wen ich mir als  junge Frau zum Vorbild zu nehmen habe. Als hätte ich irgendeine verdammte Mission zu erfüllen, nur weil ich zufällig mit Brüsten zur Welt kam.

Vielleicht will ich die Welt gar nicht verändern. Vielleicht will ich gar nicht besser sein als die Männer. Vielleicht will ich einfach leben. Denn auch das gehört zu uns Frauen. Die schlechten Seiten. Wir sind manchmal oberflächlich, manchmal launisch, manchmal aufbrausend, manchmal machthungrig, manchmal neiderfüllt, manchmal hochmütig. Es ist nicht so, als seien wir Heilige. Und das ist in Ordnung so. Wir sind ja Menschen, keine Superheldinnen, egal wie sehr sich der Überbegriff „Powerfrau“ an uns festklammert.

Manchmal denke ich, dass Feministinnen den Frauen noch mehr Fesseln anlegen, als es die Männer inzwischen tun. Reg dich über dieses auf, kämpfe für das, wähle diese Frau, einfach weil du eine Frau bist…es ist, als würde mein Geschlecht mich zu etwas verpflichten. Das empfinde ich als störend und als bevormundend. Das ist so, wie mit dem oben genannten Beispiel mit dem Kinderspielzeug. Mir wird per se schon einmal unterstellt, ich sei manipulierbar und nicht entscheidungsfähig.

Zwiespältige Gefühle habe ich auch immer, wenn es um parteiinterne Frauenförderung geht. Einerseits ist es ja richtig,  dass man darauf achtet, auch Frauen in wichtige Positionen zu bringen oder ihnen Listenplätze zu verschaffen. Andererseits möchte ich ja auch um meiner selbst willen geschätzt und gefördert werden und nicht nur deswegen weil ich eine Vagina habe.

Aus meiner Sicht ist es kein Zufall, dass es Frau und Mann braucht um Kinder zu zeugen. Irgendwo habe ich mal eine interessante Theorie gehört. Dass Frau und Mann wie Ying und Yang wären, zwei Teile eines Ganzen, die zusammengehören. Interessant ist aber, dass in der schwarzen Seite ein weisser Fleck prangt und in der weissen Seite ein schwarzer Punkt zu sehen ist. Das Männliche steckt also im Weiblichen und umgekehrt. Das lässt sich nicht nur auf die Gesellschaft anwenden, sondern auch auf jeden Einzelnen von uns. In jeder Frau sind männliche Eigenschaften verborgen und in jedem Mann ist irgendwo auch eine Frau.

Und nur zusammen sind sie ganz. Gleichstellung bedeutet nicht, dass Frauen sich über jede Empfindlichkeit beschweren und den Männern den Mund verbieten. Gleichstellung bedeutet auch nicht, dass Männer sich den Frauen überlegen fühlen sollen. Gleichstellung bedeutet, dass man sich auf Augenhöhe begegnet, ein Team mit verschiedenen Stärken und Schwächen, das sich schlussendlich ergänzt.

Übrigens: Dass das funktionieren kann, zeigt die SP Langenthal mit dem neuen Co – Präsidium. Seit neustem walten hier nämlich Mann und Frau. So richtig schön gleichberechtigt:-)