Sonntag, 19. Februar 2017

Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern...



Nach zwölf Jahren Germanys Next Topmodel haben die Zuschauer alles schon gesehen. Dramatische Eifersuchtsszenen, emotionale Ausstiege, durchgeknallte Kandidatinnen, narzisstische Boyfriends, Heiratsanträge, zahllose unfreiwillige Friseurbesuche, hochmütige Zicken, sanfte Kirchenchormädchen, widerspenstige Österreicherinnen, Shootings mit Tieren, Nacktshootings, Nacktshootings mit Tieren, Shootings auf dem Berg, Shootings im Wasser, Shootings auf einem Schrottplatz, Shootings im Eiscontainer, Shootings im Regen, Shootings vor einer Flammenwand, Ballonshootings, Helikoptershootings…die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Und obwohl das Format genau wegen diesem Komponenten erfolgreich geblieben ist, können es die Macher nicht lassen, sich noch etwas Haarsträubenderes auszudenken.

Irgendein besonders kreativer Mensch hatte die glorreiche Idee, die Models dieses Jahr auf eine Yacht zu laden und mit ihnen kreuz und quer durch die Welt zu schippern. Wieso? Vielleicht weil man der Meinung ist, dass Heidi Klum sich gar nicht weit genug von der übrigen Menschheit aufhalten kann. Vielleich aber auch, weil man den armen, jungen Dingern noch einmal richtig Luxus zu gönnen will, bevor sie von der bösen Modelwelt endgültig  verschlungen werden. Wahrscheinlich geht es aber vor allem darum, den Zickenkrieg von Anfang  an aufzupeitschen. Denn bei so wenig Raum ist es absehbar, dass die Miezen früher oder später ihre Krallen ausfahren werden.

Bescheuert ist dieses Konzept so oder so. Wurden die Kandidatinnen in den letzten Staffeln noch von Jugendherberge zu Jugendherberge geschleppt, um ihnen das echte Modelleben zu zeigen, werden sie jetzt auf ein Boot verfrachtet. Das entspricht ja wohl kaum der Realität. Ist ja nicht so, als würden Models alle zusammen auf dem Meer rumschippern und auf Aufträge warten.

So eine Seefahrt, die ist lustig…

Aber auch sonst weist das Konzept so seine Schwachstellen auf. Denn kaum befinden sich die Schönen am Bord und haben sich von dem Biest Heidi ordentlich einpeitschen lassen („nur eine, kann Germany’s next Topmodel werden“), verschlechtert sich der Gesundheitszustand der jungen Damen dramatisch.

Carina hat sich eine Bindehautentzündung eingefangen und droht zu erblinden (steht zumindest so in der Überschrift im dazugehörigen Video). Allerdings macht sich Carina weniger Sorgen um ihr Augenlicht als vielmehr um ihr hübsches Gesicht. Aber auch ihren Konkurrentinnen geht es schlecht. Sie leiden unter Seekrankheit, wie Dr. Heidi Klum diagnostiziert.

Jetzt ist Seekrankheit sicher nicht lustig (mir selbst wurde auf Schiffen oder in Autos schon oft genug übel) allerdings finde ich das Verhalten der Models dann doch etwas übertrieben. Stöhnend liegen sie auf den Sofas oder hängen über den Sesseln, so dass man bald das Gefühl hat, man befände sich nicht auf einen Luxusdampfer, sondern in einem Lazarett für Kriegsverwundete.

Das Ding mit dem Selbstauslöser

Aber kotzende Models sind für Heidi Klum natürlich kein Grund, mit dem strengen Übungsprogramm nicht wie geplant fortzufahren. Um die Bodys ihrer Mädchen richtig beurteilen zu können, gibt es jetzt erst einmal ein Bikinishooting. Nur schiesst kein Fotograf die Bilder, sondern die Models müssen das selbst tun, mithilfe eines Selbstauslösers.

Das ist gar nicht so einfach. Während die einen nicht kapieren, dass sie in die Fotokamera und nicht in die Fernsehkamera schauen sollten, knipsten die anderen zu früh oder im falschen Augenblick. Die Sinnlosigkeit dieser Aktion wird von Thomas Hayo auf dem Punkt gebracht, als er zu Maja, die das Shooting vermasselt hat, meinte: „Das Einzige, was wir jetzt wissen ist, dass du keine Fotografin wirst.“ Genau. Auch wenn Heidi Klum behauptet, diese Übung sei unglaublich wichtig, damit die Mädchen lernen, sich selbst richtig in Szene zu setzen. Ich versteh ja jetzt nicht allzu viel von Modeln, aber ich bezweifle dass ein professioneller Fotograf (oder ein Kunde) zu einem Model sagt: „Jetzt setz dich einfach mal so hin, wie du magst und sag mir dann, wann ich den Auslöser betätigen soll.“

Zweck der Übung ist es wohl eher, den Konkurrenzkampf zwischen Team Michael und Team Thomas weiter zu schüren. Weil die Mädels aus Team Michaels insgesamt besser abschnitten (laut Heidi) durften diese die Luxussuiten beziehen, während die Verlierer in die unterste Etage in die engsten Kabinen verbannt wurden. Das erinnert stark an Big Brother und hat ebenfalls rein gar nichts mit Modeln zu tun.

Aber Germanys next Topmodel ist nun einmal in erster Linie eine Unterhaltungssendung. Manche Kandidatinnen kommen spielend mit der ständigen Kameraaufmerksamkeit klar und blühen geradezu auf. Andere kommen schon in der zweiten Folge ins Trudeln.

Zum Beispiel Giuliana. Sie fühlt sich im Bikini unwohl und möchte am liebsten aussteigen. Solche Ankündigungen sind bei GNTM ja fast an der Tagesordnung, sind aber selten ernst gemeint oder werden von den Kandidatinnen absichtlich überspitzt um künstliches Drama zu erzeugen (ich erinnere hierbei an Larissa Marolts legendären Ausraster beim Friseur. Sie erklärte unter Tränen, sie hätte panische Angst vor Scheren und wenn ihr niemand sage, was für eine Frisur sie nun bekäme, würde sie sich gleich in den Flieger setzen. Sie blieb. Und wurde immerhin 8.)

Bei Giuliana liegt die Sache ein bisschen anders. Denn sie wurde als Junge geboren, hat sich aber stets als Frau gefühlt, weshalb sie sich für eine geschlechtsangleichende Operation entschied. Man kann schon nachvollziehen, dass sich die junge Frau noch unsicher fühlt, denn transsexuelle Menschen haben in der Gesellschaft nach wie vor keinen leichten Stand.
Giuliana steht beispielhaft für die Schizophrenie in der Modebranche. Zum einen diese brutale Oberflächlichkeit (zu der wir später noch kommen werden) und zum anderen dieser Mut, Aussergewöhnliches auszuprobieren.

Aussergewöhnlich oder nicht: Giuliana bleibt. Und nach meiner Einschätzung wird sie weit kommen.

Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag…

Aus irgendeinem Grund scheint Thomas Hayo in Heidis Gunst gesunken zu sein, denn der Modeldrache tut alles, um es seinem Team möglichst schwerzumachen. Während Michaels Girls noch in den Federn liegen, muss Team Schwarz schon das erste richtig professionelle Shooting hinter sich bringen. Ohne Selbstauslöser.

Das Motiv: Sie müssen sich mit einem Paddel in der Hand auf ein wackliges Surfbrett stellen. Dazu bekommen sie einfach einen grellen Bikini übergezogen, ihre Augen werden so schwarz umrandet, dass ein Panda vor Neid erblassen würde und über das Badezeug wird ihnen noch eine Plastikrüstung geschnallt.

Ganz einfach, könnte man meinen. Sabine jedoch bricht beim Anblick der Location in Tränen aus, weil sie sich vor dem Wasser fürchtet. Auch das kennt der geübte Topmodel – Gucker schon. Egal wo oder was fotografiert wird, irgendeine Kandidatin hat ein Problem damit. Ich freu mich schon auf das erste freizügige Shooting. Dann kommt dann wieder obligatorische „aber – ich – habe – zuhause – einen – Freund – und – der – mag – es – nicht – wenn – ich – solche – Fotos – mache“ Leier.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch Probleme habe im Meer zu schwimmen, seit ich diesen Film gesehen haben, in dem ein Krokodil den Schwimmern die Beine abbeisst. Wer weiss schon, was da alles in den Gewässern rumschwimmt? Sicher nicht nur Arielle!

Die meisten Models haben weniger Probleme mit dem Wasser als vielmehr mit dem Gleichgewicht. Heidi Klum kommentiert von bequemen Boot aus, eingehüllt in einen dicken Pulli, die Bemühungen der Nachwuchstalente irgendwie auf dem Brett zu bleibe.

So entgeht ihren Argusaugen auch nicht, dass Greta Linien im Gesicht hat! Und das obwohl sie erst zwanzig ist! Das kann nur eins bedeuten: Greta raucht! „Rauchen ist ganz schlecht für die Haut!“, quäkt Heidi Klum. Kaputte Lungen gehen ja noch, aber schlechte Haut ist natürlich ein No – Go. Aber Heidi ist noch nicht fertig mit Greta. „Du könntest ein bisschen mehr essen!“

Und das aus dem Mund der Frau , die nach vier Schwangerschaften immer noch so aussieht wie ein Wattestäbchen. Nichts gegen Wattestäbchen, ich bin ja selbst eins. Mich nervt nur, wenn jungen dünnen Frauen immer unterschwellig vorgeworfen wird, sie seien magersüchtig. Nur mal fürs Protokoll: Es gibt tatsächlich Menschen, die von Natur aus sehr schlank sind. Und wenn jemand tatsächlich magersüchtig ist (was in der Modelbranche dank irrer Designer leider oft genug der Fall ist) dann hilft auch der Rat, iss mal mehr, nichts. Eine Essstörung ist nichts, was man mit einer deftigen Mahlzeit einfach so heilt. Das weiss auch Heidi Klum. Sie sagt solche Sachen ja auch nur um zu betonen, dass in ihrer Show selbstverständlich keine Magermodels gefördert werden.

Irgendeinmal sind dann alle Bilder im Kasten und Team Weiss kann ran. Carina, die inzwischen von ihrer schweren Bindehautentzündung geheilt ist, gebärdet sich vor der Kamera, wie eine wildgewordene Raubkatze, nicht ohne die obligatorische Ankündigung, dass sie für ihren Traum kämpfen will.

Hier versagt Victoria. Die kesse Sechzehnjährige hat keine Ahnung, wie sie in die Kamera gucken soll. „Ich kann das halt nicht“, erklärt sie schliesslich. Können tun es auch Saskia und Christina nicht. Sie werden gleich nach dem Shooting nachhause geschickt.

Wobei die Frage offen bleibt: Wie kommen die Ausgeschiedenen wieder aufs Festland? Müssen sie schwimmen oder bekommen sie zumindest ein Gummiboot?

Tschüss Küken!

Victoria ist also angezählt. Jetzt muss sie einen guten Walk hinlegen (heisst übersetzt: Sie darf  beim letzten Walk vor der Jury nicht auf die Fresse fliegen). Und dafür übt sie verbissen. Aber trotz ihrer eifrigen Bemühungen: Sie läuft eher wie ein Storch im Salat als wie ein graziles Topmodel.

Helfen tun ihr da auch die Kleider nicht. Für mich sehen die zwar aus wie zwei zusammengenähte Bodenbeläge, aber offenbar sind es Designerstücke. Team Schwarz läuft in grün, Team Weiss in blau (komplexe Sachverhältnisse, ich weiss).

Wo wir gerade bei Teams sind: Nach wie vor finde ich, dass Michalsky nicht in der Lage ist, fair zu beurteilen. Als Thomas‘ Kandidatin Greta (das Mädchen mit den Linien im Gesicht) einen guten Lauf hinlegte, meinte er nur, dass Anh (Gretas direkte Konkurrentin), sie mitgezogen hätte, gerade so als wäre Greta nicht auf ihren eigenen zwei Beinen gelaufen, sondern von Anh auf den Rücken getragen worden.

Ein Kükenbonus gibt es dieses Jahr wohl nicht, denn sowohl die süsse Schülerin Elisa als auch Victoria müssen ihren Hut nehmen. Was eine weitere unlogische Handlung dieser Folge ist. Bei beiden war von Anfang an klar, dass man mit ihnen noch viel arbeiten muss. Warum man sie trotzdem auf das Schiff schleppte, nur um sie nach zwei mickrigen Shootings wieder aufzugeben, bleibt mir ein Rätsel.

Schade. Victoria war sehr unterhaltsam. Damit uns aber auch ohne das Mädel aus dem Ghetto nicht langweilig wird, hat sich Heidi noch eine Neuerung ausgedacht. Und zwar müssen die zwei schwächsten Kandidatinnen gegeneinander antreten. Beim nächsten Shooting. Die Bessere bleibt, die Schlechtere geht. Diese Woche trifft es Youtube Sternchen Neele und die blonde Claudia (sie ist die, deren weit aufgerissenen Augen ihren Weg auf jodel.ch gefunden haben).

Ob die beiden Grazien das Psychospielchen durchschauen und den Machern der Sendung ein Schnippchen schlagen? Wohl kaum, wenn man der nächsten  Vorschau Glauben schenken darf. Dann, wenn es wieder heisst: Es kann nur eine, Germanys next Topmodel werden.

Sonntag, 12. Februar 2017

Die besten Ausreden der Abstimmungsverlierer




Egal wie sehr die Parteien sonst in den Haaren liegen und wie unterschiedlich sie sind, in einem sind sie alle gleich: Wenn sie eine Abstimmung verlieren, sind sie erstaunlich kreativ wenn es darum geht, sich die Niederlage irgendwie noch schönzureden. Links und rechts schaffen es immer wieder, Resultate so zu drehen, dass es mit dem eigenen Weltbild wieder übereinstimmt. Da kann ärgerlich oder nervig sein, aber auch sehr witzig, wie die nachfolgende Aufzählung (hoffentlich) zeigt (natürlich hat sich die Autorin die Freiheit genommen, auch noch selbst ein paar Punkte hinzuzufügen). Ach ja, die NAF habe ich unterschlagen. Ich möchte mich heute einfach mal im Triumph sonnen.


Die besten Ausreden, wieso die erleichterte Einbürgerung trotz heftigem Widerstand der SVP angenommen wurde:

  1. Die Bürger – und Bürgerinnen trugen alle beim Ausfüllen der Stimmzettel Burkas, so dass sie nicht sehen konnten, dass sie JA statt NEIN schrieben.
  2. Dem Volk wurden im Abstimmungsbüchlein bewusst wichtige Informationen vorenthalten, zum Beispiel die Tatsache, dass bereits jetzt pro Tag mindestens 10‘000 Afrikaner eingebürgert werden oder dass auch ausländische Kampfhunde in der dritten Generation eingebürgert werden können, was zu mehr Hundebissen führen wird.
  3. Die Menschen haben keinen Kunstsinn mehr und haben deshalb die schönen Plakate mit der tiefgehenden und sensibel versteckten Botschaft nicht zu würdigen gewusst.
  4. Eingebürgerte Stimmbürger haben der Vorlage zum Durchbruch verholfen (also „kulturfremde“ Schweizer)
  5. Nicht die Schweizer – und Schweizerinnen haben abgestimmt, sondern naive, regenbogenspuckende Einhörner.
  6. Das Plakat wurde komplett missverstanden und deshalb zu Unrecht  als rassistisch verunglimpft. Es zeigt keine Burka, sondern Andreas Glarner in einem schwarzen Regenmantel. Damit wollte er darauf hinweisen, dass bei einem Ja, auch das ausländische schlechte Wetter  eingebürgert werden würde (noch so eine Information, die uns vorenthalten wurde).
  7. Die Schweizer – und Schweizerinnen in der dritten Generation haben sich eine Zeitmaschine gebastelt und sind aus der Zukunft gekommen, um für sich selbst das Stimmrecht zu erwirken.
  8. Immerhin 39% haben Nein gesagt, das ist praktisch die Hälfte und die Hälfte ist wiederum fast das Ganze, was bedeutet, irgendwie wurde es doch abgelehnt.
  9. Die Linken sind schuld.


Die besten Ausreden wieso die USR III abgelehnt wurde

  1. Das blöde Volk hat nicht richtig verstanden worum es geht, weil die Vorlage so unglaublich kompliziert ist. 
  2. Die Bürger – und Bürgerinnen sind so enttäuscht über die Nichtumsetzung der Masseneinwanderung, dass sie auch purem Trotz Nein gestimmt haben.
  3. Die Einhörner haben sich wieder eingemischt.
  4. Die gemeinen Linken haben tatsächlich sachliche Argumente verwendet. Damit konnte schliesslich niemand rechnen.
  5. Die Leute haben trotz der Gruselgeschichten von Ueli Maurer nicht begriffen, dass die Schweiz auf der Stelle untergehen wird, wenn die USR III nicht angenommen wird. Die Gegner der Initiative haben in diesem Zusammenhang auch bewusst unterschlagen, dass die antiken Städte Troja und Atlantis nur deshalb vom Angesicht der Welt gefegt wurden, weil sie den Unternehmen keine Steuerprivilegien einräumten.
  6. Die böse Hexe aus dem Graubünden, Eveline Widmer – Schlumpf, hat die Reform verflucht.
  7. Die eingebürgerten Ausländer, die nicht richtig Deutsch können, konnten das Abstimmungsbüchlein nicht lesen und haben deshalb einfach „Nein“ hingeschrieben.
  8. Die Leute haben einfach nicht gerafft, dass auch sie Vorteile aus der Steuerreform gezogen hätten. Zum Beispiel würde, wenn denn Reichen gegeben und den Armen genommen wird, vom Staat ein Robin Hood engagiert werden, der diese Ungerechtigkeiten wieder ausgleichen wird.
  9.  Die Linken sind schuld.